Frontalunterricht – eine zeitgemäße Unterrichtsform?

30 Augenpaare sind nach vorne gerichtet. Die Kreide kratzt über die Tafel.
Verständnislose Blicke werden in den hinteren Reihen getauscht. Verträumte
Blicke wandern aus dem Fenster und folgen den Wolken. Notizen werden
geschrieben. Stoßseufzer mehren sich. „Haben das alle verstanden?“, fragt der
Lehrer beim Umdrehen und schaut in 30 mehr oder weniger aufmerksam
schauende Schülergesichter.

So kann Unterricht in Deutschland aussehen. Man könnte es als ein Relikt
vergangener Zeit oder eine Institution in der deutschen Bildung bezeichnen.
Aber was genau ist „Frontalunterricht“ und wie ist es zu bewerten?
Die Lehrkraft leitet bei diesem Klassengespräch die Klasse frontal an. Diese
Form des Lehrens hat sich erst seit dem 1900 durchgesetzt, da mit diesem
Jahrhundert Bildung immer mehr für die Masse des Volkes zugängig gemacht
wurde und diese Unterrichtsform dies gewehrleisten konnte. Diese Form der
Instruktion funktioniert auf dem Prinzip, dass sich jeder auf Grund des allen
bekannten Reglements, der Fremddisziplinierung also, selbstdiszipliniert und
sich somit an die Regeln hält, oder dies zu mindestens versucht. Diese Art der
Wissensvermittlung ist eine stark homogenisierende, da die Klasse von der
Lehrkraft als kollektiv Subjekt begriffen wird und deshalb alle Lernenden
gleichbehandelt werden, oder zu mindesten alle möglichen Anstrengungen
unternommen werden dies zu gewährleisten

Trotz verschiedenster Kritik scheint das altbewährte System Vorteile zu haben.
Anfangs kann es besser sein, einen Lehrer vor der Klasse stehen zu haben, der
klar und deutlich Lerninhalte erklärt und diese den Schülern somit zugänglich
macht. Damit einher geht, dass die Aufmerksamkeit eines jeden Schülers an der
Tafel gebündelt wird, Fragen bei Verständnisschwierigkeiten sofort gestellt
werden können und ein ruhiges Klassenklima herrscht

Diese Form von
Unterricht ist in verschiedensten Jahrgängen einfach zu organisieren, die Klasse
bleibt im Blick des Lehrers und ist entsprechend beeinflussbar. Somit steht eine
Führungsperson vor der Klasse, die den Unterrichtsinhalt in einen sinn- und
zweckgebunden Kontext setzen können und die Schüler zum Lernen motivieren
können

Trotz verschiedenster Vorteile ist diese Unterrichtsform natürlich nicht
kritikfrei geblieben. Abhängig ist diese Unterrichtsform von der Qualität des Lehrers bzw. des
Vortragenden

Persönliche Animositäten zwischen Schülern und Lehrern können zu Unlust, Motivationsproblemen und Verweigerung führen, obwohl ein
grundsätzliches Interesse an dem Fach besteht. Gleichzeitig kann somit kein
interaktiver Unterricht stattfinden. Das wohl größte Problem liegt in der
Tatsache, dass auf individuelle Bedürfnisse der Schüler nur schwer Rücksicht
genommen werden kann. Bei nur 45-Minuten-Stunden kann nur selten ein
Schüler beiseite genommen werden, um ihn durch eine persönliche Erklärung
vonseiten des Lehrers an das Niveau der restlichen Klasse zurückzuführen.
Jedoch hat die Bemühung, alle durch den „Frontalunterricht“ gleichbehandeln
zu wollen, genau den entgegengesetzten Effekt. Es findet also, bei genauerem
Hinschauen keine Gleichbehandlung, sondern eine Ungleichbehandlung statt.
Dieser Widerspruch ergibt sich auf Grund der Tatsache, dass alle Schülerinnen
und Schüler als eine Gruppe von Individuen begriffen werden müssen, die
einiges eint, gleichzeitig aber auch um so mehr unterscheidet

Gerade bei wichtigen Themen wie Inklusion und die Integration von Flüchtlingen nimmt
die Diversität an Schülern zu, deren Bedürfnisse nach optimaler Bildung immer
schwieriger zu befriedigen sind

Nach einigen einleitenden Worten zum Thema „Frontalunterricht“ und einer
kurzen Übersicht über Vor- und Nachteile darf sich gerne gefragt werden, wie es
hierbei weitergehen könnte. Ist es möglich eine Verbindung von interaktiveren
Unterrichtsmethoden und dem klassischen „Frontalunterricht“ zu erstellen? Gibt
es individualisierende Methoden, die dem Lehrer besser ermöglichen auf
Schüler einzugehen? Können den Schülern Lernmethoden an die Hand gegeben
werden, die sie individueller fördern? Sollten die Klassengröße verkleinert
werden? Die Anzahl der Lehrer erhöht werden? Vieles ist vorstellbar.
Die Zukunft wird die Antwort auf diese Frage noch geben.

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